Neues vom MFFV – neuer Vorstand, neue Ziele, neuer Aufbruch

Ein kurzes Klatschen, ein Händedruck von Vorgängerin Simone Baumann – und schon hatte Ingelore König den Job, von dem sie immer geträumt hatte: Vorsitzende des Mitteldeutschen Film- und Fernsehverbands. Wobei geträumt leicht übertrieben ist: „Eigentlich habe ich gar keine Zeit, noch Verbandsarbeit zu organisieren“, sagt die Chefin der Erfurter Kinderfilm GmbH, „doch wir brauchen ein kreatives Netzwerk.“

Was die Ingelore König und ihre Mitstreiter im Vorstand, Thomas Niemann, René Biermann und Toni Löser planen, ist nicht weniger als ein kompletter Neustart der Verbandsaktivitäten. Die vier an der Spitze wollen, dass der Verband stärker wahrgenommen wird. Sie wollen die Kommunikation mit Sendern und Redaktion, Förderinstitutionen und der Politik verstärken und die Interessen der 15 Mitglieder klarer und deutlicher formulieren. „In der Branche geht es gerade rund und das bleibt in den nächsten Monaten und Jahren so“, sagt Thomas Niemann, „mit unserer Arbeit wollen wir Verhandlungspartner, Türöffner und Inspiratoinsgeber sein.“

Die Zeiten sind rauh für Film- und Fernsehmacher. Selbst erfolgreiche Regisseure wie Wim Wenders, Faith Akin und Volker Schlöndorff sind besorgt um den Deutschen Film. Sie drängen die europäische Kommission die Filmförderung nicht weiter zu vernachlässigen. Auch beim Fernsehen gibt es tiefgreifende Veränderungen: Sinkende Minutenpreise stehen immer höheren Ausgaben gegenüber, Videojournalisten liegen im Trend – Chance oder Gefahr für die Produzenten? Beim MDR steht ein Generationswechsel in der Führungsetage an. Viele wichtige Posten werden neu besetzt.

Im Internet entstehen neue Märkte für Produzenten, zum Beispiel durch Google-TV. Kanäle wie Servus TV und öffentlich-rechtliche Spartensender wie ZDFneo oder ZDFkultur haben freie Sendeplätze, suchen Formate. Und: HDTV wird unsere Kompetenzen stärker denn je herausfordern.

Als Produzent muss man sich diesem Wandel stellen, sonst hat man verloren. „Als erste Amtshandlung haben wir einen neuen Newsletter ins Leben gerufen. Beim MFFV gibt es künftig alle wichtigen Informationen aus erster Hand. Für unsere Mitglieder und die, die es vielleicht mal werden wollen“, so die neue Vorstandsvorsitzende Ingelore König.

Ingelore König löst Simone Baumann ab. Baumanns Produktionsfirma LE Vision war bekannt in der deutschen Doku-Szene für ihre außergewöhnlichen und quotenstarken Dokumentationen. Und doch: Simone Baumann kapitulierte. LE Vision ist weg, Simone Baumann musste deshalb ihren Posten als MFFV-Vorstandsvorsitzende aufgeben.

Die Stimme der Produzenten soll der MFFV weiterhin sein, und die Stimme soll stärker gehört werden. Regelmäßig will sich der Vorstand mit Entscheidungsträgern und wichtigen Köpfe der Branche treffen. Ein erstes Gespräch mit MDR-Fernsehdirektor Vietze und -Betriebsdirektorin Arlt gab es bereits. Es geht darum, die Anliegen der Produzenten vorzutragen, Informationen zu gewinnen und Gerüchte aus der Welt zu schaffen. Eine offene und selbstkritische Qualitätsdiskussion soll es geben und – wie Ingelore König es ausdrückt – „etwas Optimierung in der Streitkultur.“