„Wir brauchen ein kreatives Netzwerk“

Ingelore König wurde am 20. Januar 2011 zur neuen Vorsitzenden des MFFV gewählt. Sie ist Geschäftsführerin der Kinderfilm GmbH in Erfurt.

Frau König, man hört, Produzenten treffen sich vor allem, um gut zu essen und zu trinken. Werden Sie diese Tradition pflegen?
Gibt es was Charmanteres als ein Date mit Essen und Trinken? Und was machen Produzenten schon anderes als pausenlos daten?! Der kleine feine Unterschied liegt im Wörtchen gut.

Es gibt einen Verband der Kantinenpächter und einen der Seemannsfrauen. Sehen Sie den MFFV in einer Reihe mit diesen skurrilen Kleinverbänden? Was sind Ihre Ziele?
Also nichts gegen Pächter, aber mit Kantinen habe ich nicht die allerbesten Erfahrungen. Den Seemannsfrauen fühle ich mich da schon eher verbunden. Als Produzentin schickt man gern andere zum Geldverdienen und bleibt selbst daheim – in froher Erwartung von Lachs und Kaviar. Aber im Ernst: Wir brauchen ein kreatives Netzwerk für die unabhängigen Produzenten, die Mitteldeutschland als ihre originäre Produktions-Heimat ansehen. Vor allem die kleineren mittelständischen und die jungen Unternehmen müssen sich – bei aller Konkurrenz – in medienpolitischen Fragen verbünden. Information und Kommunikation sind ebenso überlebenswichtig wie eine offene und selbstkritische Qualitätsdiskussion.

Bei jedem Machtwechsel machen die neuen Machthaber ihre Vorgänger schlecht. Was möchten Sie über ihre Vorgänger sagen?
Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen schmeißen. Die Abwicklung von L.E.Vision hat mich ziemlich erschrocken. Wäre das nicht passiert, wäre Simone Baumann heute immer noch Vorsitzende. Wenn nur die großen Player eine Chance am Markt haben, wird Mitteldeutschland nur noch ein Vorort von Berlin sein. Zur Verbandsarbeit sage ich es mal so: Etwas Optimierung in der Genuss- und Streitkultur könnten wir vertragen.

In Mitteldeutschland wird viel Fernsehen geschaut, sagen die Statistiken. Wird hier Ihrer Meinung nach auch viel gutes Fernsehen gemacht oder besteht da Nachholbedarf?
Was ist denn gutes Fernsehen? Ein Kunststück! Kreiert aus den Anforderungen des Senders, den Bedürfnissen des Publikums, den Träumen der Kreativen und der Existenzsicherung der Filmwirtschaft. Es gibt so verdammt viele Perspektiven auf Programm und Programminhalte. Rechthaberei hilft uns da nicht weiter und Mut kann man leider nicht staatlich verordnen.

Wie ist Ihr Verhältnis zu den Leuten in den Sendern?
Sender und Produzenten sollten immer kreative Verbündete sein. Schließlich wollen wir alle gutes Programm machen – und natürlich wollen wir dabei auch noch wirtschaftlich überleben. Feindbilder helfen da wenig, vor allem nicht dem Publikum.

In Ihrem Büro hängt eine Vogelscheuche an einem Kreuz. Was wollen Sie Ihren Besuchern damit sagen?
Vogelscheuche? Jedem seine Interpretation. Vor allem ist das „Subjekt“ komplett grün! Man kann mich für genial, blond oder gottes-lästerlich halten, eines bleibe ich immer: grün, Kinderfilm-grün!