Spuren ins Ausland

Mit einem aufwändigen Portrait über den Star-Dirigenten Carlos Kleiber ist die kleine Geraer Centauri Film ins internationale Geschäft eingstiegen. »Spuren ins Nichts« beweist: In neuen Märkten und Genres Fuß zu fassen, kann zum spannenden Abenteuer werden.

So viel Red Bull kann niemand trinken. Auch Eric Schulz und Thomas Niemann nicht. Überall sind die Büchsen mit dem roten Stier drauf, auch im Konferenzraum. Centauri-Geschäftsführer Niemann nippt immer wieder am süßen Energy-Saft. »Schließlich soll Red Bull die Konzentration steigern«, so der 33-jährige Geraer.

Es ist die entscheidende Drehbuchbesprechung bei Servus TV, dem Kulturfernsehen des Red-Bull-Konzerns. Fast zwei Jahre lag das Buch zu »Spuren ins Nichts« wie Blei im Schreibtisch von Regisseur Eric Schulz. Er war damit bei Arte, beim ZDF und beim SWR. Überall Absagen. Doch hier stehen die Türen plötzlich offen: Centauri bekommt den Auftrag.

Seit 12 Jahren ist die Geraer Firma vor allem als technischer Dienstleister und Auftragsproduzent für den MDR tätig. Die tagesaktuelle Berichterstattung aus Ostthüringen für das Landesfunkhaus Thüringen wird hier abgewickelt. Sechs EB-Teams, zwei davon HD, drei Schnittplätze, ein Schaltenstudio und eine ATM-Überspiel-Leitung stehen zur Verfügung und sind gut ausgelastet. Sieben feste Mitarbeiter arbeiten in dem Unternehmen. Doch Centauri-Chef Thomas Niemann war es immer wichtig, für mehr als einen Auftraggeber zu arbeiten: »Wir wollen uns hier nicht hinsetzen und auf Faxe vom MDR warten, so sehr wir Aufträge von unserem wichtigsten Kunden brauchen. Als unabhängige Produzenten sind wir selbstverständlich immer wach und am Markt aktiv.«

Im Corporate-Media-Segment hat sich Centauri in den letzten Jahren einen guten Ruf erarbeitet. Mehrere Eigenproduktionen wurden erfolgreich auf DVD verwertet. Centauri ist breit aufgestellt. »Spuren ins Nichts« allerdings war die erste Großproduktion für den Broadcastbereich abseits des MDR.

Nach Gera war das Großprojekt durch persönliche Kontakte gekommen – wie üblich in der Branche. Regisseur Schulz, Produzent Niemann und der verantwortliche Redakteur bei Servus TV kannten sich von anderen Projekten. Trotzdem stand ein leichter Unterton im Raum: »Gera, das ist doch Provinz. Könnt ihr das wirklich, war die Frage«, so Niemann. Seine Reaktion darauf: »Cool bleiben. Am Ende zählt das Produkt und nicht der Produktionsstandort. Gerade aus der Provinz heraus kann man nur mit Qualität überzeugen.«

Das scheint gelungen zu sein. Arte hat den fertigen Film nun doch eingekauft. Arthaus bringt ihn auf DVD heraus. Die Kritiker von FAZ, Tagesspiegel und vielen österreichischen Blättern feierten »Spuren ins Nichts« als großen Wurf. Auch Servus TV ist zufrieden: Zwei Folgeaufträge hat Centauri inzwischen aus Salzburg bekommen. »Man muss die Nase auch mal aus seinem Erdloch halten und frischen Wind schnuppern«, sagt Centauri-Chef Niemann, »diese Produktion hat sich absolut gelohnt.« Angestoßen wurde auf den Erfolg in Gera natürlich auch. Mit Red Bull aus Österreich. Und einheimischem Bier.


 

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