Aus Erfolgen Kraft saugen

Kolumne von Alexander Thies, Vorstandsvorsitzender der Produzentenallianz

Wir sind nicht Hollywood hier in Mitteldeutschland, aber wir sind auch nicht Cinecittà. Zum Glück. Während jenseits des großen Teichs eine mächtige Film- und Fernsehindustrie sowohl das Unterhaltungs- als auch das Sensationsbedürfnis der ganzen Welt befriedigt – zugegeben: gelegentlich machen sie auch ganz schöne Filme dort –, drohte vor den Toren Roms die Abwicklung. Das haben wir hier schon hinter uns, und ich weiß, dass Narben und Phantomschmerz viele hier noch quälen.

Aber wer will schon EIN Studio, wenn er stattdessen eine breite Landschaft reger Laufbild-Manufakturen haben kann.

Wir sind mal größer mal kleiner, in jedem Fall erfolgreich, innovativ, zuverlässig und jederzeit state-of-the-art und mit unserem Mitteldeutschen Film- und Fernsehproduzentenverband auch bestens vernetzt. Und als Vorstandvorsitzender der Produzentenallianz – das ist sozusagen eine Art MFFV auf Bundesebene – weiß ich natürlich, wie wichtig Vernetzung ist. Gerade unter Mitbewerbern, wie man »Konkurrenten« heute nennt. Denn bevor wir uns gegenseitig die Projekte und Aufträge abjagen können, muss es sie erstmal geben, die Aufträge für uns. Das gilt für Große genauso wie für Kleine. Und auch, wenn manches für die Großen vielleicht leichter als für die Kleinen ist: Eine Branchenvertretung, die nur die einen oder die anderen repräsentiert, nützt weder dem einen noch dem anderen; das ist sicher, das hatten wir lange. Die Fortschritte, die wir für die Mitglieder in der Produzentenallianz erreicht haben, sind ein ermutigender Anfang und zeigen, was Geschlossenheit bewirken kann.

Machen wir uns nichts vor: eine Kreativ-Manufaktur für Laufbilder hat es auch in Mitteldeutschland nicht leicht und kann nur innovativ bleiben, wenn sie aus ihren Erfolgen die Kraft und den Saft für die Zukunft saugen kann. Ein Produzent hat viele Herausforderungen: Er will seinen Partnern weiter über die alten bewährten Erfolge das notwendige Publikum bescheren, er muss sich aber gleichzeitig auf die neue, die digitale Welt mit ihren vielen neuen Herausforderungen einstellen – wer soll das allein alles bewältigen?

In Mitteldeutschland hat man verstanden, dass die Kreativwirtschaft und mittendrin die Filmwirtschaft als wesentlicher auch Job-Motor der Zukunft zu sehen ist, auch sitzt hier ein wesentlicher Wegbereiter unser Vereinbarung mit der ARD.

Das allein reicht aber nicht, wir müssen gemeinsam stärker und schneller als je zuvor diese Einsichten auch zu handfesten Verbesserungen bringen und in neuer Gemeinsamkeit nach innen wie außen zu den Erfolgen führen, die das Kreativleben in Mitteldeutschland noch bunter und aussichtsreicher macht. Wir bei der Produzentenallianz sind damit schon ein gutes Stück weiter gekommen, und das wünsche ich Ihnen und Euch beim MFFV auch. _Und wenn wir noch näher zusammenkommen, werden wir vielleicht irgendwann einmal auch das Publikum Hollywoods mit Bildern und Erzählungen aus »Mittelerde« bewegen können.