„Ich suche jetzt andere Wege“

Anna Schmidt (42) produziert TV-Dokus und Magazinbeiträge. Von der MDM erhofft sie sich mehr Unterstützung für kleine Firmen aus der Region.

Sind Sie als kleiner Produzent aus der Region zufrieden mit der Medienförderung in Mitteldeutschland?
Die Chancen, gefördert zu werden, sind gering. Ein gutes Thema allein genügt nicht. Man braucht ja immer einen deutschen Fernsehsender. Doch gerade bei Dokumentarfilmen wird das immer schwieriger aufgrund der schrumpfenden Sendeplätze. Hinzu kommt der Quotendruck auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern. So haben es dann Themen schwer, die nicht dem Mainstream entsprechen. Wir investieren viel Zeit für die Anträge und versuchen, höchste Qualitätsstandards zu erreichen. Manchmal habe ich habe den Eindruck, dass oft nur die großen Firmen von der Medienförderung profitieren, auch mit Themen, die nicht regional sind.

Vielleicht probieren Sie es mit den falschen Stoffen?
Möglich, aber was sind die richtigen? In diesem Jahr hatten wir ein Thema, von dem wir überzeugt waren, dass die MDM nicht Nein sagen kann. Ein Dorf in Sachsen-Anhalt, das seine Version von Olsenbandenfilmen dreht. Hochprofessionell, das ganze Dorf macht mit. In einer strukturschwachen Gegend haben Menschen etwas gefunden, das sie verbindet – die Liebe zu einer dänischen Gaunerkomödie.

Klingt witzig. Es wird nicht gefördert?
Nein. Wir wollten eine Sommerkomödie drehen über ein Dorf, das den Zusammenhalt der »alten Zeit« widerspiegelt und dessen Bewohner ungewöhnliche Lebensfreude ausstrahlen. Es gab schon einen Kinoverleih und Interesse vom dä- nischen Fernsehen an diesem Stoff. Das Team kam aus Mitteldeutschland, der Drehort war Sachsen-Anhalt. Doch die MDM hat den Antrag abgelehnt. Da stellt sich dann die Frage, welchen Sinn Förderung macht.

Wie reagieren Sie auf diese unsichere Situation?
Ich suche jetzt andere Wege. Sponsoren zum Beispiel. Crowd-Funding scheint die Zukunft zu sein. Auf vollfinanzierte Fernsehproduktionen sollte man sich nicht mehr verlassen. Es sei denn, man spezialisiert sich auf Themen, die weltweit von Interesse sind. Doch dann müssen wir auf jeden Fall wachsen und das macht alles wieder kompliziert.