Nicht die Niederungen

Die Leipziger Regisseurin Anna Schmidt setzt mit ihrer Firma schmidtFilm auf internationale Produktionen und überschaubare Strukturen.

Das Bodenständige lauert im Tempel der Hochkultur und Anna Schmidt will es freilegen. Zum Drehen geht sie dafür quer über den Hof: Das Atelier des Malers Michael Triegel liegt neben Schmidts Büro in der Leipziger Baumwollspinnerei. »Zur Zeit ist die Nähe ganz praktisch«, sagt Schmidt, auch wenn sie demnächst mit dem Maler zum Vatikan muss. Ganz und gar nicht nah an Leipzig.

Im Auftrag von ServusTV dreht die 42jährige ein Portrait über Triegel. Als bekennender Atheist hat der gebürtige Thüringer den Papst portraitiert und ist dafür weltberühmt geworden. Doch trotz seines Erfolgs steht er weiterhin jeden Tag fleißig acht Stunden im Atelier und malt. Ein guter Stoff, ganz nach dem Geschmack von Anna Schmidt: Es geht um Kunst, aber nicht zu abgehoben, und um Menschliches, aber nicht um die Niederungen.

Seit 1997 ist Anna Schmidt als freie Autorin und Produzentin im Geschäft. Sie dreht Dokus, Reportagen und Magazinbeiträge aus Kultur, Geschichte und Wissenschaft. MDR, ZDF, arte, das niederländische Fernsehen und 3sat gehören zu ihren Kunden. Genau wie beim Maler Triegel gibt es bei ihr keine Massenproduktion. Eine Autorenkollegin unterstützt sie seit fünf Jahren. Vorher war schmidtFilm eine One-WomanShow. Etwa 15 Stoffe entwickeln die beiden jedes Jahr, zwei bis drei davon werden realisiert. Zunehmend mit ausländischen Partnern. Die Kontakte für einen Film über den Komponisten Krzysztof Penderecki knüpfte Anna Schmidt auf dem Filmfestival in Krakau.

Bei so wenig Personal ist Stress programmiert, vor allem wenn sich Aufträge überschneiden, wie jetzt. Ein Film über das Pentacon-Werk in Dresden lag monatelang zur Entscheidung beim MDR. Jetzt ist die Zusage da und alles muss ganz schnell gehen. Schon im Oktober soll das Werk auf Sendung. Anna Schmidt hat das Personal aufgestockt und Rechercheure engagiert. Trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl. »Es sind die Schnellschüsse, die einer Produktionsfirma das Arbeiten schwer machen«, sagt Schmidt, »für eine intensive Recherche reicht die Zeit vorne und hinten nicht. In den Stoff lesen wir uns nachts ein, wenn das Telefon nicht mehr klingelt und man niemanden mehr anrufen kann.« Parallel läuft die Arbeit am Triegel-Film und am Penderecki-Portrait. Immerhin muss das erst 2013 fertig werden.

Für ihren Lieblingsstoff dieses Jahres gab es Interesse vom dänischen Fernsehen. Trotzdem schaffte es das Projekt nicht bis in die Produktion: Ohne Medienförderung war es nicht finanzierbar. Ohnehin hätte Schmidt ihr Team dann kurzfristig vergrößern müssen, und das will sie nicht per HauruckAktion. »So kurzfristig ist das immer schwierig. Die guten Leute sind dann natürlich schon verplant, und so viele gute gibt es nicht«, sagt sie. Auch an diesem Punkt bleibt Anna Schmidt lieber ganz bodenständig.