„Das Verhältnis sollte symbiotisch sein“

Peter Zimmermann (36) ist Regierungssprecher in Thüringen und Mitglied im Rundfunkrat des MDR. Wir haben mit ihm über die Perspektiven des Senders und die anstehende Intendantenwahl gesprochen.

2011 wird das Jahr des Wandels beim MDR. Es gibt neue Direktoren, einen neuen Chefredakteur, trimediale Redaktionen und einen neuen Intendanten. Warum dieses plötzliche Stühlerücken auf allen Ebenen?
Die Ursachen sind vielfältig. Teilweise handelt es sich um altersbedingte Wechsel in den Positionen, teilweise um den Verzicht auf eine weitere Amtszeit und schließlich geht es auch um eine tatsächliche Erneuerung, die Udo Reiter dem MDR zum 20. Geburtstag verordnet hat. Auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin, Reiter hat über zwei Jahrzehnte immer ein sehr feines Gespür für die Belange des MDR gehabt und hat sie noch. Zu Recht gebührt ihm hohe Anerkennung und aufrechter Dank.

Welche Auswirkungen wird der Intendantenwechsel des MDR auf Mitteldeutschlands Produzenten haben?
Ich spreche nicht für den Rundfunkrat und schon gar nicht für den MDR. Das muss ich vorausschicken. Die konkreten Auswirkungen werden vor allem darin liegen, wie der künftige Intendant oder die Intendantin strategisch mit der Frage um Tochterunternehmen und das Auftragswesen umgeht. Ich setze mich im Rundfunkrat dafür ein, Markteingriffe auf gebührenfinanzierter Grundlage möglichst gering zu halten. Das Verhältnis einer großen Anstalt zu ihrem Umfeld sollte immer auch symbiotisch sein. Wer die Szene kennt, der weiß, dass der MDR insbesondere Kreativleistungen betreffend auf sein Umfeld angewiesen ist.

Anders gefragt. Geben Sie doch allen, die mit dem Posten liebäugeln, ein paar Tipps: Welche Anforderungen würden Sie oder der Rundfunkrat in eine Stellenausschreibung schreiben?
Wir stehen am Anfang einer trimedialen digitalen Revolution, in der vor allem das Fernsehen und der Online-Bereich weltweit dominieren. Künftige Marktpositionen werden genau dort erreicht oder auch nicht. Ich halte also Fernseherfahrung mindestens für hilfreich. Außerdem wird der Wettbewerb größer und vor allem härter. Einen Produktions-, Sende- und Vermarktungskonzern wie den MDR mit tausenden von Mitarbeitern und einer Dreiviertel Milliarde Euro Jahresetat steuern sie nur erfolgreich, wenn sie jahrelange Managementerfahrung in diesem Bereich haben. Letzteres ist aus meiner Sicht entscheidend.

Durch die Affäre beim Kika wird die Auftragsvergabe beim MDR komplizierter. Mehr Papierkram, mehr Unterschriften. Es gibt die Kontrolle der Kontrolle der Kontrolle. Ersticken wir in Bürokratie und lähmen damit die Kreativität?
Ich habe frühzeitig darauf hingewiesen, dass es nicht zu einer Lähmung des Kinderkanal durch Überkontrolle kommen darf. Kontrollen sind auf der einen Seite notwendig und andererseits in der teilweise aktuellen Form bedauerlich. Kürzlich erzählte mir jemand von der siebten Unterschrift zur Prüfung einer Rechnung. Natürlich ist das völlig absurd. Es braucht eine gewisse Geduld, bis sich die Prozesse auf dem richtigen Niveau einspielen. ó