Die goldene MDM-Kreditkarte

MDM-Chef Manfred Schmidt antwortet auf unser Gerücht im letzten Newsletter.

Die MDM möchte künftig 80% aller Fördermittel ausschließlich an Mitteldeutsche Produzenten vergeben! Voraussetzung: mindestens zwei Briefkästen.

Im Prinzip ja, allerdings reichen die zwei Briefkästen als Voraussetzung nicht aus. Es sollten zwei Briefkästen mindestens aus Messing, besser aus Gold sein. Diese Briefkästen müssen 1x monatlich durch einen – möglichst unbezahlten – Praktikanten geleert werden, um die Weiterleitung der Post nach B… M… K (bitte Stadt nach Belieben einsetzen) sicher zu stellen. Ansonsten ist der Praktikant auch für Telefonumschaltungen zuständig. Darüber hinaus darf er nichts tun. Er ist ja schließlich unbezahlt. Diese Regelung wird den Medienstandort Mitteldeutschland langfristig und nachhaltig entwickeln. Einige kleine Nebenwirkungen werden Sie gewiss gern in Kauf nehmen. So wird sich das Fördervolumen für die hier ansässigen Produktionsfirmen, die zwar keine zwei Briefkästen haben, aber Balance Film Dresden, Ostlicht Weimar, MotionWorks Halle, ma.ja.de. Leipzig heißen, um nur einige zu nennen, die in den letzten Jahren regelmä- ßig ihre Projekte mit Hilfe der MDM realisieren konnten, verringern und allmählich gegen Null tendieren. Aber man muss eben Prioritä- ten setzen…

So könnte die entsprechende Antwort auf das Gerücht aussehen. Die seriöse Frage ist: Was kann man gegen Briefkastenfirmen tun? Die Antwort ist einfach: Keine »Zwangs«-Ansiedlungen von Filmproduktionsfirmen forcieren, denn das macht keinen Sinn für die Region, keinen Sinn für die MDM und letzten Endes auch keinen Sinn für die Produktionsfirmen. Deshalb ist unsere Politik, neben den wirklich ansässigen Firmen, diejenigen Produzenten zu unterstützen, die mit einem wirklich tragfähigen und auf Langfristigkeit angelegten Konzept eine Niederlassung in Mitteldeutschland planen. Was heißt, nicht nur wegen der Förderung zu kommen, von der ausschließlich sowieso keine Firma leben kann. Daneben sind aber auch Firmen aus anderen Gegenden willkommen, wenn, ja wenn sie denn gute Regionaleffekte bringen. Gut, das heißt nicht nur hoch, sondern auch qualitätsvoll, also Beschäftigung von mitteldeutschem Personal und Einbindung mitteldeutscher Dienstleistungsunternehmen. Das schafft Nachhaltigkeit, denn die mitteldeutsche Medienlandschaft, dass sind eben auch die Techniker, Beleuchter, Maskenbildner, Komponisten, Sounddesigner, Filmgeschäftsführer usw., ebenso wie die Postproduktionsunternehmen in Halle, Leipzig und Erfurt. Und Produktionsunternehmen von außerhalb können keine Handlungskosten oder Produzentenhonorare als Effekt ansetzen, das ist ein Vorteil, der nur für die wirklich in Mitteldeutschland ansässigen Produktionsunternehmen gilt. So machen wir das und so werden wir das auch in Zukunft tun. Falls es jemanden geben sollte, der es noch nicht weiß: Die Erfüllung der Effekte wird durch die PwC geprüft. Und für jeden Produzenten, Autor oder Regisseur, ob in der 5. Generation aus Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen oder ob aus B., M. und K. gilt ein Kriterium: höchstmögliche Qualität und die Chance, mit seinem Film seine Zielgruppe ob Nische oder Mainstream zu erreichen.

Um auf den Anfang meiner Antwort zurückzukommen: Wer glaubt alle diese Voraussetzungen mit jedem Projekt unter allen Umständen zu erfüllen, könnte ja im Prinzip versuchen, die Goldene MDM-Kreditkarte zu erhalten. Viel Erfolg wünscht Manfred Schmidt.