Eigene Wege

Nanina und Jörg-Peter Bauer produzieren vor allem jenseits des klassischen Fernsehens. Mit der Kombination von Film und Medieninstallation gehen sie erfolgreich neue Verwertungswege

Bei Jörg-Peter Bauer läuft die Kamera, bis alles erzählt ist. Sein längstes Interview – mit dem Bürgerrechtler Arnold Vaatz – dauerte vier Stunden. »Danach waren wir alle etwas geplättet«, erinnert sich Bauer, »aber es hat sich niemand gelangweilt.« Drei Kameras fingen jede Regung des CDU-Urgesteins Vaatz ein. Qualität, wie Bauer sie versteht, braucht ausreichend Vorbereitungszeit und technischen Aufwand. Schnellschüsse findet der Produzent vom Dresdner Studio Klarheit nicht überzeugend.

Schon 1997 – damals war Bauer noch freiberuflich als bildender Künstler unterwegs – dreht er seinen ersten kurzen Spielfilm. Acht Jahre später gründet er zusammen mit seiner Frau Nanina in Dresden das Studio Klarheit. Die ersten Aufträge kommen von Museen. Diese Orte und Filme – das sind die großen Leidenschaften der Bauers. Damit gründen sie ihr wichtigstes Geschäftsfeld: Medienkunstobjekte wie den »Kosmos der Erinnerungen«. Für das Stadtmuseum Dresden entwickelten sie eines der größten interaktiven Projekte, zu denen sie das technische Know How und die filmischen Inhalte liefern.

Und die Bauers drehen ihre ersten großen Zeitzeugeninterviews. Immer in Absprache mit den Auftraggebern, aber weitgehend nach eigenem Konzept. Inzwischen besitzt Studio Klarheit mit 150 langen Interviews das größte private Zeitzeugenarchiv in Sachsen. Alle Gespräche sind akribisch archiviert. Sie können für wissenschaftliche Forschungen und Dokumentationen ausgewertet werden. Manche dieser Aufzeichnungen werden zu Filmen: die Dokumentation über den legendären Dresdner Film-Pionier Ernst Hirsch läuft 2010 auf der Leipziger Dokfilm-Woche und ist auf DVD erschienen.

»Wir halten es für wichtig, was wir machen«, sagt Frau Dr. Bauer, Bauers Partnerin und Autorin der Firma. Geld für ihre Projekte holen sie sich von wechselnden Auftraggebern. Für das Fernsehen sind sie eher selten unterwegs. »Ich finde es mühsam, mit Fernsehsendern zusammenzuarbeiten«, sagt Jörg-Peter Bauer, »weil man mit Leuten zusammenarbeiten muss, die ihr Programm nicht unbedingt schätzen.« Die klare Ansage eines Mannes, der eigene Wege gehen möchte.

Gerade entstehen drei neue, allesamt hochwertige Produktionen. Für ein Portrait über den Jazz-Musiker Günter »Baby« Sommer dreht Studio Klarheit in Frankreich, Griechenland, den USA und natürlich in Dresden. Eine »Mischung aus Dokumentation und Reportage« (Bauer) über den Jahrestag der Dresdner Bombennächte und eine Gruppe, die diesen Tag im Februar 2012 vorbereitet, ist als aufwändige Langzeitbeobachtung angelegt. Für einen abendfüllenden Spielfilm laufen die Anträge für die Drehbuchförderung. Und es wird immer wieder in neue Technik investiert, 2011 in einen neuen AVID-Schnittplatz mit allen Extras.

Bei all dem soll Studio Klarheit aber vor allem eins bleiben: ein Familienbetrieb in Mitteldeutschland. Sohn Paul, der noch an der HFF Potsdam-Babelsberg Film- und Fernsehproduktion studiert, arbeitet in den Ferien mit. Bauers sehen in ihm die Zukunft ihres Unternehmens. »In der Familie kann man sich vertrauen. Das ist für mich ganz wichtig«, sagt Jörg-Peter Bauer.

Technik und Redaktion sitzen ein paar Straßen voneinander getrennt. So bleibt jedem genügend Raum für die eigene Entfaltung. Natürlich reden sie ständig über ihre Pläne und Projekte. Manchmal stundenlang. Davon profitieren auch die externen Mitarbeiter, die Studio Klarheit immer wieder beschäftigt. »Hier sind wir in kleinem Umfang steigerungsfähig«, wie Bauer überzeugend formuliert.


 

Studio Klarheit Dr. Bauer und Partner
Dornblüthstraße 14a
01277 Dresden
Tel. 0351 310 56 48
drbauer@studioklarheit.de
www.studioklarheit.de