Regionalität ist unsere Chance

MDR-Intendantin Karola Wille über die Zukunft des MDR.

Vor gut einem Monat, am 1. November, habe ich mit Freude und zugleich Respekt mein neues Amt angetreten. Ich freue mich auf die Möglichkeiten, Dinge zu bewegen und zu ver­ ändern, sehe mich jedoch auch vor großen Herausforderungen, die es gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im MDR zu meistern gilt.

Wenn der MDR künftig in der digitalen Welt bestehen will, müssen wir einerseits verlorengegangenes Vertrauen wiedergewinnen, andererseits Strukturen, Produktionsweisen und Ressourcen überprüfen und nicht zuletzt unsere Programme zukunftsfähig machen. Das bedeutet, unsere klassischen linearen Programme ebenso wie unsere Telemedienangebote weiterzuentwickeln und beide noch enger miteinander zu verbinden.

Ob Fernsehen, Hörfunk oder Online – im publizistischen Wettbewerb sehe ich unsere Chance vor allem in der Regionalität unserer Angebote. Sie muss die inhaltliche Leitlinie in allen Bereichen sein, bei der Information, bei der Kultur und auch in Unterhaltungssendungen. Wir wollen dabei nicht nur Traditionelles, sondern vor allem das Heutige, das Moderne in unseren drei Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen widerspiegeln. Deutlich werden sollen die Veränderungen, die hier stattgefunden haben, und der Stolz der Menschen auf ihre Heimat. So werden wir im Fernsehen ˘weiterhin Wert auf historische Dokumentationen und zeitgeschichtliche fiktionale Produktionen legen, aber genauso das aktuelle Geschehen in unseren drei Ländern umfassend und in hoher Qualität abbilden. Die Film- und Fernsehproduzenten schätzen wir dabei weiterhin als professionelle Partner.

Auch quantitativ wollen wir übrigens unser Angebot für die Zuschauer erweitern: In unserem Dritten Programm, dem MDR Fernsehen, wird es künftig mehr Reportagen aus der Region geben. Eine weitere wichtige Aufgabe wird es gerade im Fernsehen sein, verstärkt junges Publikum anzusprechen. MDR-Fernsehdirektor Wolf-Dieter Jacobi ist bereits mit den Redaktionen und Produzenten im Gespräch, um das eine oder andere im Programm des MDR-Fernsehens umzugestalten.

Eine erfolgreiche Programmarbeit ist nur möglich, wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk und damit auch der MDR bedarfsgerecht finanziert sind. Da die Besonderheiten der Finanzierung aufgrund der demographischen und der wirtschaftlichen Entwicklung für das MDR-Gebiet weiterhin gelten, müssen wir in den kommenden Jahren weiter sparen. Ziel bleibt es dabei, dies vorrangig bei Strukturen und Prozessen zu tun. Öffentlich-rechtliche Kernangebote im Informations- und im regionalen Bereich sollen von Einsparungen in den kommenden Jahren soweit wie möglich ausgenommen werden. Um Quantität und Qualität der Berichterstattung zu gewährleisten, müssen wir flexible Produktionslösungen finden.

Wo sehe ich den Mitteldeutschen Rundfunk zum Ende meiner sechsjährigen Amtszeit im Jahr 2017? Das werde ich in diesen Tagen manchmal gefragt. Meine Antwort: Der MDR wird ein starkes, bundesweit anerkanntes, multimediales Medienhaus sein, das von jüngeren und älteren Menschen aufgrund des klaren öffentlich-rechtlichen Profils, des guten, verlässlichen und unabhängigen Journalismus und der soliden, treuhänderischen Verwendung der öffentlichen Gelder wertgeschätzt wird.