„Wir meinen das wirklich ernst“

Der einstige Publikumsliebling Thomas Gottschalk versinkt bei der ARD im Quotenloch. Meist liegt die Sendung unter 5%. Die AG DOK hat ARD-Programmdirektor Volker Herres deshalb Beistand zugesagt und ein dokumentarisches Programm als Alternative angeboten.

Man lasse die ARD in der »Todeszone vor 20 Uhr« nicht allein, so der Vorsitzende der AG DOK, Thomas Frickel, in einem Offenen Brief. Herr Frickel, wie war denn die Reaktion auf Ihr Angebot?
Bis jetzt hat sich die ARD noch nicht gemeldet. Leider. Ansonsten gibt es viele positive Reaktionen, von Fernsehnutzern aber auch aus der Politik. Das sei die richtige Art, mit der Überheblichkeit der Sender umzugehen.

Ihr Format heisst »Mein spannendstes Erlebnis«. Das klingt nach einer Nachmittags-Doku bei RTL.
Wenn wir sagen, wir machen etwas Dokumentarisches, dann meinen wir das auch. Wir rauben den Protagonisten nicht die Identität und legen ihnen keine Worte in den Mund. Leider hat man in den Redaktionen offenbar kaum noch Vertrauen in diese Methode.

Aber ernsthafte Dokus sind Herrn Herres vielleicht zu schwer für diese Sendezeit…
Dokumentarisch zu arbeiten heisst ja nicht, dass das Ergebnis garantiert nicht vergnügungssteuerpflichtig ist. Wir wollen unerzählte Geschichten erzählen. Das hat früher auf den Marktplätzen schon funktioniert.

Herr Herres scheint das anders zu sehen. Letztes Jahr hat er den Dokumentarfilm im Ersten zurückgedrängt, um mehr Talkshows zu senden.
Das hat uns sehr enttäuscht. In einem Interview hat er damals erklärt, dass Dokumentarfilme so ziemlich das letzte sind, was er sich in seinem Hauptprogramm vorstellen könnte. Es gab damals viel Empörung über diese Haltung. Wenn er unser Angebot jetzt annimmt, kann er diesen Makel aber leicht wieder loswerden.

Sie haben der ARD sogar eine Beteiligung am Quoten-Risiko angeboten. Ab fünf Prozent aufwärts nehmen sie den Preis einer Gottschalk-Folge, sonst nur die Hälfte. Sie werden sich finanziell ruinieren.
Niemand weiß, was »Gottschalk live« kostet. Das verrät keiner, weil es von den Werbetöchtern der ARD finanziert wird. Warum eigentlich? Wir würden die Kosten gerne erfahren. Ausserdem: Die Quoten, die Gottschalk erreicht, schaffen wir locker. Und selbst wenn wir nur die Hälfte bekommen: Das wäre keine Verschlechterung. Für viele ARD-Produktionen bekommen wir schon jetzt nur die Hälfte des Budgets. In keinem Bereich wird so schlecht bezahlt wie beim Dokumentarfilm.

Wie schnell können Sie starten? Gleich nach der Sommerpause?
Locker. Wir brauchen beim Dokumentarfilm keine wahnsinnig langen Vorlaufzeiten und einige Kollegen haben schon Ideen für Folgen entwickelt. Sie merken: Wir meinen das wirklich ernst.