Der große Blonde mit den rabenschwarzen Quoten

Wie kann unser Quotengarant nur so versagen? Wieso interessiert sich am Vorabend niemand mehr für Tommy Laberrhabarber? Sind es seine Falten? Oder die ersten Anzeichen für das Sterben eines linearen Rentnerfernsehsystems?

Als Kind habe ich fast jede Nacht von einem großen blonden Mann geträumt. Er war nicht sexy. Er war nicht hübsch. Und doch: Er war mein Idol. Wie er auf die Bühne geschritten ist – mit seinen langen Beinen, seinen bunten Klamotten, dieser markanten Nase und dem breiten Grinsen. Ja, ich war in Thomas Gottschalk verliebt. Wenn ich ehrlich bin, ich bin es noch. Ich wollte so werden wie er: locker, witzig, pfiffig, schlagfertig und vor allem stinkreich.

Jetzt, 25 Jahre später, arbeite ich selbst beim Fernsehen. Und ich habe wieder von Tommy geträumt, letzte Nacht. Er war überall im Ersten, in jeder Sendung. Bei »Hart aber fair« jubelte das Publikum 20 Minuten für Frank Plasschalk. Günther Gottjauch moderierte in farbenfrohen Tangas und Netzhemden. Ranga Yogeshwar versuchte in seiner neuen Show »Die Welt der Blondfärbemittel und Ondulierstäbe« endlich wie Gottschalk auszusehen.

Es geschah das Unglaubliche: Die ARD (das »Ernste«) erwachte aus einer 60 Jahre währenden seelenlosen Stasis. Neue Formate, freche Gesichter, mutige Macher, Selbstironie und finanzielle Bescheidenheit erweckten das Programm zu einem lebhaften, fröhlichen Fernsehgenuss. Und wem verdankten wir all das? Unserem Traum-Master – Thomas Gottschalk! Wieder aufgewacht hatte ich einen einzigen Wunsch: Zeig uns endlich, dass Du immer noch frech bist und lass Dich bloß nicht abschalten! Thommy – du kriegst sie alle! Immer noch!