„Diese Art Förderung macht mehr kaputt“

Torsten Bönnhoff ist Geschäftsführer von Digim und Monarda Arts. Er produziert Dokumentarfilme und Konzertaufzeichnungen für 3sat und arte. Mit Monarda Publishing House verwertet er weltweit DVD-Rechte.

Herr Bönnhoff, in Halle blicken die Leute ehrfurchtsvoll nach Leipzig und in Leipzig wissen sie nicht mal, dass es Halle überhaupt gibt. Warum sitzen Sie trotzdem in Halle?
Wir haben hier ein tolles Gebäude, zwei Studios und unser großes Archiv. Wir fühlen uns wohl hier. Den Vergleich mit Leipzig müssen wir nicht scheuen. Das einzige Problem ist, dass wir etwas im Windschatten sitzen und manchmal schlechter wahrgenommen werden.

Wie zeigt sich das?
Wir sind seit Jahren im Geschäft. Wir machen Millionenumsätze mit 3sat, Discovery, dem SWR oder National Geographic. Aber vom MDR kommt fast gar nichts. Ich habe das Gefühl, die trauen uns das nicht zu. Und bei der MDM fallen wir immer durchs Raster.

Sie sind kein großer Fan von Subventionen in Ihrer Branche. Warum nicht?
Dauersubventionen fördern immer mafiöse Strukturen. Was glauben Sie denn, warum sich der deutsche Film im Kino so schwer tut? Und dann die Mauscheleien. Ich kenne Firmen aus Berlin, die haben hier einen Briefkasten, holen sich Fördergelder aus der Region und unterbieten uns dann bei anderen Projekten, weil sie dieses Geld im Rücken haben. Diese Art Förderung macht mehr kaputt, als sie voranbringt. Wenn ich einen Knopf hätte, um alle Subventionen im Filmsektor zu stoppen und die Sender dafür reale Ausstrahlungspreise bezahlen würden, ich würde ihn sofort drücken.

Sie wollten 2007 Fördermittel für ihren Kurzfilm »Peter und der Wolf« bei der MDM beantragen…
Ganz wunder Punkt. Der Antrag wurde nicht zugelassen. Wir haben den Film dann äußerst schwierig selbst finanziert und dafür einen Oscar für den besten animierten Kurzfilm bekommen. Es ist toll, einen Oscar für ein eigenes Projekt zu bekommen. Die MDM hatte keinen Film, der einen Oscar bekam. Und wir konnten den Film mangels Geld nicht ins Kino bringen, da uns 30 Minuten für die Kinolänge fehlten.

Die neuen digitalen Technologien verändern das Filmgeschäft von Grund auf. Begrüßen Sie das?
Aber natürlich! Klar gibt es Verlierer: Die Leute, die früher MAZen eindigitalisiert oder Filme abgetastet haben. Die mit manuellen Tätigkeiten ihr Einkommen verdient haben. In einem digitalen Workflow brauchen wir diese Tätigkeiten nicht mehr. Aber das Geld, das wir dadurch sparen, wird nicht aus der Branche abfließen. Im Gegenteil. Wir können es viel stärker in die kreativen Bereiche unserer Arbeit stecken. Ich bin sicher, es werden nach dem Umbau vom analogen zum digitalen Workflow mehr analoge Menschen in der Branche Arbeit finden.