Landschaft mit Potenzial

Beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland war der MFFV gemeinsam mit der MDM mit zwei Panels vertreten. Unter dem Titel »Medien Macht Identität« und »Medien Macht Wirtschaft« diskutierten hochrangige Vertreter aus Politik und Medien über die Rahmenbedingungen der Branche.

Der deutsche Kinderfilm braucht eine Lobby, da sind sich die Teilnehmer der Panelrunde grundsätzlich einig. Immer mehr Produktionen in Kinderfilm und Kinderfernsehen kommen aus dem Ausland. »Erzeugt der Markt Vielfalt?« fragt Kinderkanal-Geschäftsführer Steffen Kottkamp auf dem Podium und gibt die Antwort selbst: Nein.

Zwar werden viele erfolgreiche Jugendbücher und Märchen verfilmt, doch darüber hinaus fehle die Vielfalt, konstatiert MDR-Intendantin Karola Wille. Sie verkündet die Initiative »Der besondere Kinderfilm«. Es geht dabei um eine breite Öffnung, um Genrevielfalt jenseits bekannter Romanvorlagen, um den engagierten Arthouse Film, so ist herauszuhören. Das will die MDR-Intendantin ab 2013 forciert mit Mittel- und Ressourceneinsatz anstreben.

Ein Weg, den Manfred Schmidt von der MDM ausdrücklich unterstützt. »Es geht ja nicht nur darum, was Kinder wollen. Es geht auch darum, was Kinder wollen könnten.« Wer sich in einer vielfältigen Welt zurechtfinden muss, braucht auch ein vielfältiges mediales Angebot. Das erfordert auch ungewöhnliche Filme, ungewöhnliche Erzählweisen in Inhalt und Form. Darin scheint sich das Podium einig. Dafür, dass das stattfindet, müssten aber, so Schmidt, auch die Rahmenbedingungen stimmen.

Über die hat sich Thüringens Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten Marion Walsmann Gedanken gemacht. »Kulturelle Identität braucht Quote« für einheimische Produktionen, sagt sie auf dem Panel. »Quote hilft, den Kindern zu zeigen, in welchem Lebensraum, vor welchem Hintergrund von Wertvorstellungen und kulturellen Traditionen sie aufwachsen.« Wie genau diese Quote aussehen kann, dazu bedarf es noch weiterer Überlegungen.

Auch ihr sächsischer Kollege Johannes Beermann hält eine Quote für Inlands-Produktionen für geeignet, die Kreativwirtschaft anzukurbeln, gerade in Mitteldeutschland. Auf dem Panel plädiert er ganz offen dafür und schiebt rechtliche Bedenken beiseite: »Die Franzosen machen es auch. Lasst uns doch mal dafür sorgen, dass 25% der Produktionen aus Deutschland kommen, die auch tatsächlich gesendet werden.«

Oliver Castendyk von der Produzentenallianz hält das für wenig sinnvoll. Er sieht das Problem woanders: »Die Rundfunkanstalten sind nicht mehr bereit, Geld für die Herstellung kulturell wertvoller Produktionen auszugeben. Stattdessen unterstützt z.B. das ZDF Produktionen aus den USA oder Kanada.«

Einspruch kam vom Direktor des MDR-Landesfunkhauses Sachsen, Sandro Viroli. Der MDR gebe 34 Millionen Euro jährlich für Auftragsproduktionen aus, weitere 13 Millionen für technische Dienstleister. Zudem habe der MDR als erste ARDAnstalt einen »Tatort« öffentlich ausgeschrieben.

Unabhängig ob privat oder öffentlich-rechtlich: Für Moderator Helmut Thoma, einst Chef beim Privatsender RTL, fließt zu wenig vom vorhandenen Geld ins Programm. Er will vor allem die Kreativen stärken, durch besondere Förderungen. Thomas Weymar von Telepool unterstützt diese Idee sogar mit einem konkreten Projekt: einer Autorenwerkstatt in Leipzig, die er als Telepool-Geschäftsführer auch finanziell unterstützen würde.

Fazit von Sachsens Medien-Minister Beermann: »Wir haben hier eine blühende Medienlandschaft. Gleichwohl ist noch Potenzial vorhanden.«