„Themenführerschaft im Land erreichen“

Interview mit makido film-Geschäftsführer Golli Marboe

Sie pendeln zwischen Wien und Weimar – sind Sie Österreicher oder Deutscher?
Ich bin in Wien geboren und lebe auch seit 1965 dort. Ich habe also das legendäre Spiel in Cordoba 1978 schon live am Fernseher miterleben können. Da haben wir Deutschland mit 3:2 besiegt, dank des Eigentors eines gewissen Berti Vogts. Wir Österreicher vergessen diesen Tag nie.

Was läuft in Wien bei der Filmförderung anders als in Mitteldeutschland?
Die größten Förderstellen sind das staatliche Österreichische Filminstitut (ÖFI), der städtische Wiener Filmfonds sowie der Fernsehfonds Austria. Das ÖFI ist gremial organisiert, ähnlich wie die MDM. Der Fernsehfonds Austria dagegen ist eine reine Wirtschaftsförderung: Es bestehen gute Chancen, eine Spitzenfinanzierung von ca. 20% zu erreichen. So wie das makido film bei der »Ballclique« für den KiKA gelungen ist. Darüber hinaus gibt es in Österreich – obwohl das Land ja doch recht klein ist – auch noch lokale Förderungen der Bundesländer und damit einen starken lokalen Standortwettbewerb. Bei den Förderungen in Salzburg, Tirol, Steiermark, Oberösterreich und Niederösterreich kann man um kleinere, aber doch nennenswerte Summen anfragen.

Der MDR will sein Programm verjüngen. Was empfehlen Sie?
Keine »Me-too«-Programme zu entwickeln. Für mich gibt es nichts Konservativeres als Privatsender. Dort wird es nie Innovationen geben, denn sie müssen ihre Werbezeiten verkaufen. Das kann man aber nur mit Produkten, die schon bekannt und etabliert sind. Also sollten sich die öffentlich-rechtlichen Sender weiterhin ihrer Stärke besinnen, dass sie Labor sein können und sollten. Bei den Öffentlich-Rechtlichen können Dinge entstehen, die nicht unter dem gleichen Quotendruck stehen, wie das bei den Privaten der Fall ist. Das bietet den Raum, um Trends zu setzen, um Themenführerschaft im Land zu erreichen.

Wie wollen sie im Fernsehen Werte vermitteln? Die Zuschauer sehen doch lieber zynische Casting-Shows, oder?
Die Zuschauer wollen unterhalten sein. Das ist doch auch völlig okay. Wenn wir in ein Museum gehen, dann bleiben wir auch bei jenen Bildern stehen, die uns ansprechen. Aus verschiedensten Gründen erreicht uns der eine Künstler mehr als der andere. Über die Farben, über die Form, über das Thema des Bildes. So ist es auch in unserem Medium. Es liegt an den Programmmachern zu spüren, wie man Publikum erreicht. Und wir arbeiten in einem Massenmedium. Es geht ums exemplarische Erzählen. Um den Transport von Schnurren, die man am nächsten Tag dann gerne weitererzählt. Es geht bei unserem Beruf keineswegs um Wissenstransfer. Zu einem solchen können wir allenfalls Lust machen. Es wäre schön, wenn nach einem makido-Film der eine oder andere Zuschauer zu einem Buch greift oder im Netz zum Thema zu surfen beginnt.

Was halten Sie von der Sendung »Daniela Katzenberger – natürlich blond«?
Das ist nicht mein Programm, aber das macht auch nichts. Solange die Freiheit und die Würde anderer Menschen mit Fernsehprogrammen nicht verletzt wird, soll es ruhig auch solche Sendungen geben können. Ich denke, meine Kinder schauen da schon rein. Ich persönlich warte wieder auf ein Highlight wie die Fußball-Übertragung von Cordoba. Ein neuer Sieg gegen Deutschland würde dem Selbstwertgefühl der Österreicher gut tun. ó