Neue Anreize für neue Inhalte

Kolumne von Marion Walsmann, Chefin der Thüringer Staatskanzlei

Für Film- und Fernsehproduzenten ist Mitteldeutschland schon längst keine Terra Incognita mehr. Jedes Jahr werden in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen eine Vielzahl von Kinofi lmen gedreht und Fernsehsendungen produziert. Konnte man in den 1990er Jahren die hierzulande entstandene Jahresproduktion im TV- und Filmbereich fast an einer Hand abzählen, entstehen heute Medienproduktionen im zahlenmäßig zwei- bis dreistelligen Bereich vom Lokalfernsehbeitrag über Fernsehserien und TV-Events bis hin zum spektakulären Kinofilm. Ein wichtiger Grundstein für das Aufblühen der mitteldeutschen Medienproduktionslandschaft wurde vor nunmehr 15 Jahren mit Gründung der Mitteldeutschen Medienförderung GmbH gelegt. Die MDM verschafft dem medienwirtschaftlichen Wachstum in der Region entscheidende Impulse und gibt der Medienregion Mitteldeutschland nationale und internationale Reputation. 2012 war in dieser Hinsicht wiederum überaus erfolgreich.

Die Weimarer ostlicht filmproduktion bereicherte mit ihrer Koproduktion »The Woman Who Brushed Off Her Tears« die Sektion Panorama der diesjährigen Berlinale, auf der drei MDM-geförderte und in Mitteldeutschland entstandene Produktionen insgesamt 3 Silberne Bären erhielten. SCHMIDTz KATZE FILMKOLLEKTIV aus Halle wurde mit »In Darkness« für den Oscar nominiert und der Leipziger Thomas Stuber gewann einen Studenten-Oscar. Im Fernsehen wurde »Der Turm« aus Dresden zum Großereignis, was auch das deutsche Fernsehpublikum honorierte und dem TVEventfi lm den Publikumspreis bei der »Bambi«-Verleihung 2012 zueignete. Im Kino laufen zurzeit erfolgreich so unterschiedliche Filme aus Mitteldeutschland wie »Sushi in Suhl« und »Cloud Atlas«. Letztere Produktion führte Weltstars wie Tom Hanks und Halle Berry ins Elbsandsteingebirge. All dies sind Indizien dafür, dass die Medienregion Mitteldeutschland Champions League spielt.

Dennoch ist nicht alles eitel Sonnenschein in mitteldeutschen Medienlanden. Der dauerhafte Erfolg braucht eine breite Basis. Eine solche Basis kann jedoch nur entstehen, wenn täglich unbeirrbar und solide für ihren Erfolg kämpfende Unternehmer und Unternehmen, wie sie sich unter anderem auch im MFFV wiederfi nden, oder junge ambitionierte Startups in der Branche eine reale Chance und entsprechende Unterstützung erhalten. Hier sehe ich insbesondere die öffentlich-rechtlichen Sender in der Verantwortung. Sicherlich haben auch gestandene Produzenten aus Köln oder München hervorragende Ideen für einen starken »Tatort« aus unserer Region, dennoch sollten darüber die Kreativität und das Potenzial vor der Haustür nicht vernachlässigt und damit möglicherweise ausgetrocknet werden.

Mir ist es wichtig, dass in Mitteldeutschland mitteldeutsche Firmen produzieren und damit eine Erfolgsbasis haben können. Es liegt mir am Herzen, dass junge Leute, die in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in überregional hoch geschätzten Medienstudiengängen ausgebildet werden, hier auch bleiben, ihre Kreativität ausleben und sich eine Existenz aufbauen können. Ich halte es für unsere Region und das Selbstwertgefühl ihrer Bewohner für unverzichtbar, dass sich die Schönheit und der Reichtum unserer drei Länder in Medienproduktionen von hiesigen Produzenten widerspiegeln. Deshalb suche ich, seit ich für Medien im Freistaat Thüringen die politische Verantwortung trage, vermehrt das Gespräch mit Film- und Fernsehproduzenten aus der Region, aber auch darüber hinaus. Im Ergebnis dieser Unterredungen im kleinen Kreis oder auch in größerer Runde wie beim Erfurter Studiotalk habe ich erfahren, dass Produzenten und Kreative insbesondere Unterstützung bei der Entwicklung von Ideen, Formaten und Projekten weiterhelfen würde, aus denen in der Folge erfolgreiche Medienproduktionen hervorgehen könnten. Ausgehend von dieser Bestandsaufnahme habe ich nach konkreten Umsetzungsmöglichkeiten für die Erfüllung eines solchen Bedarfs gesucht. Mir ist es gelungen, im Entwurf des Thüringer Doppelhaushalts 2013/14 eine bessere Ausstattung des in der Thüringer Staatskanzlei vorhandenen Haushaltstitels zur Unterstützung von Filmprojekten vorzusehen. Noch muss der Entwurf die Zustimmung der Abgeordneten des Thüringer Landtags finden. Sollte dies passieren, dann ist es meine Absicht, mit diesen Mitteln Anreize zu setzen für die Entwicklung neuer Filmideen, Serienformate und Medienprojekte. Ziel soll sein, dass in der Folge möglichst viele dieser Vorhaben so überzeugen, dass sie von hier beheimateten Kreativen oder solchen Produzenten, die ihr Herz für unsere lebenswerte, kulturvolle und schöne Region entdecken, umgesetzt werden können und einen Nachweis für die kreative Kraft und die unternehmerische Leistungsfähigkeit hiesiger Medienproduzenten liefern. Vorstellbar sind Kinofilme, Fernsehserien als besonders nachhaltige Medienproduktionen, aber auch hochwertige und originäre Kinderfilme, für deren Stärkung sich Thüringen als Kindermedienstandort besonders verpflichtet fühlt.

Diese neuen Thüringer Anreize, davon bin ich überzeugt, können Produzenten in unserer Region neue Chancen eröffnen und unserem jungen Medienstandort neue stärkende Impulse verleihen. Sobald die vorgesehenen Mittel im Doppelhaushalt 2013/14 abrufbar sind, können Film- und Medienmacher auf Basis der mit Beginn des Jahres 2013 leicht modifizierten »Richtlinie für kulturelle Filmförderung und Medienförderung im audio-visuellen Bereich« ihre Anträge bei der Thüringer Staatskanzlei einreichen. Ich freue mich auf viele interessante Ideen, kluge Konzepte und überzeugende Vorhaben, die die in den letzten Jahren aufstrebende und jetzt schon erstklassige Medienregion Mitteldeutschland noch interessanter, lebendiger und unverwechselbarer machen werden.