„Eine Menge Luft nach oben“

Jürgen Kleinig ist Geschäftsführer der Alte Celluloid Fabrik GbR in Leipzig

Herr Kleinig, Sie und Ihre Co-Geschäftsführerin kommen beide aus Baden-Württemberg. Warum haben Sie Ihr Unternehmen ausgerechnet in der Medienprovinz Leipzig aufgemacht?
Die vermeintliche Medienprovinz hat viele Vorteile für uns. Es herrscht eine persönliche Atmosphäre, der Draht zu Förderung und Redaktion ist kurz. Das Verhältnis zu Kollegen und anderen Firmen ist kollegial. Man kennt sich. Hier herrscht nicht so ein Hauen und Stechen wie in Berlin. Aber es gibt natürlich auch Nachteile.

Nämlich?
Gerade als junge Firma bekommen wir hier nicht so viele exzellente Stoffe angeboten. Das heißt, wir müssen uns selbst stärker darum kümmern. Wir entwickeln fast alle Ideen selbst und haben bis zum ersten Pitch beim Sender meist noch keinen Regisseur am Start. Den suchen wir uns dann, wenn es ernst wird.

Die Zusammenarbeit mit dem MDR. Wie zufrieden sind Sie damit?
Da gibt es eine Menge Luft nach oben. Im Moment geht es uns gut, weil wir in einem Programmbereich durch gute Arbeiten Fuß fassen konnten. Bei anderen Programmbereichen bekommt man teilweise noch nicht einmal einen Termin, wenn man ein Projekt vorstellen möchte. Unser aktuelles Großprojekt »10 000 0000 000« hatten wir an die Chefredaktion geschickt. Viele Wochen später rief eine Redakteurin, die keine 90-Minüter betreut, bei uns an und sagte: »Ich weiß nicht, warum das bei mir gelandet ist, aber für mich ist das natürlich nichts.« Da frage ich mich, wie dort mit Ideen umgegangen wird.

Der Sender versucht, sein durch Korruptionsskandale angekratztes Image durch Angebotsverfahren aufzupolieren. Löst das bei Ihnen Begeisterung aus?
Kein bisschen. Ich kenne keinen Kollegen hier in Leipzig, der bis jetzt vom MDR irgendwelche Unterlagen zugeschickt bekommen hat. Wir auch nicht. Was nützt ein solches Verfahren, wenn wieder nur der bekannte Kreis beteiligt wird? Ausschreibungen an sich sind im Bereich Film ohnehin zweifelhaft und führen sicher nicht zu einem Mehr an Qualität. Ich fürchte, die großen Ziele, die von der Führungsriege nach außen kommuniziert werden, stoßen intern auf massiven Widerstand. Das Haus steht nicht geschlossen hinter diesen Zielen.

Müssen wir uns Sorgen machen um Ihre Gemütslage? Wird man als Produzent irgendwann automatisch depressiv?
Ach nein, auf keinen Fall. Als Produzent muss man ein bisschen schmerzfrei sein. Wir haben viele Eisen im Feuer, für die wir brennen. Manche landen dann wieder in der Schublade. Schade, aber nicht zu ändern. Die anderen realisieren wir und das ist immer wieder eine aufregende und faszinierende Arbeit.