Die Milchmädchen-Rechnung

Die Rahmenvertrags-Verhandlungen für Dienstleister beim MDR sind beendet. Einige Kollegen haben knapp kalkuliert, die anderen jetzt das Nachsehen.

Welch schöne Erlebnisse liegen hinter uns. Schwitzend und mit einem Taschenrechner bewaffnet, haben wir die telefonischen Rahmenvertragsverhandlungen mit dem MDR absolviert. Gehe ich noch 10 Euro runter oder lieber noch drei Euro hoch? Diese Frage – so stellt sich nun heraus – war durchaus überlebenswichtig.

Denn der MDR beauftragt nun in allen Abteilungen nach Rankingliste. Das heißt: Der billigste Anbieter wird zuerst gebucht. Zu teuer kalkulierte EB-Teams werden zukünftig wohl selten zum Einsatz kommen. Sie dürfen nur im Ausnahmefall beauftragt werden. Nach unseren Recherchen liegt die Schere zwischen dem billigsten und dem teuersten EB-Team in Mitteldeutschland bei ca. 300 Euro pro Team. Die Dumper-Konkurrenz bringt den Dienstleistungsmarkt unter Druck.

Liebe Kollegen, liebe Billiganbieter, liebe Preisdumper. So kalkuliert man ein EBTeam, um auch die nächsten Jahre zu überleben, um weiter zu investieren und um die Technik in Schuss zu halten. Gehen wir zunächst von der 1%-Regelung aus, die besagt: Der Anschaffungspreis wird bei einer pauschalen Tagesvermietung mit 1% zugrunde gelegt. Wir berechnen die Technik nach den Anforderungen aus den Rahmenverträgen.

Kamerabody 19.900 Euro
Viewfinder 4.700 Euro HD-Superweitwinkel 29.900 Euro
HD-Normalobjektiv 10.000 Euro
Tonmischer Stereo, 4-Kanäle mit Tasche 4.000 Euro
HD-Monitor 3.500 Euro
Stativ 6.500 Euro
P2-Karten 64GB (4 Stück) 2.000 Euro
Tonangel 1.000 Euro
Mikroports 4.000 Euro
Lichtzeug (Koffer und Kopflicht) 3.000 Euro

Sicherlich fehlt noch eine Menge Kleinkram, Akkus und Zeug. Preis komplett: 88.500 Euro. Nach der besagten 1%-Regelung vermieten wir unsere komplette Technik also für 885,00 Euro pro Tag. Das geht leider nicht in unseren Breitengraden. Da müssten wir schon in der Schweiz oder in Österreich leben. Geben wir also dem MDR als unserem liebsten Kunden einen großzügigen Rabatt von 50%. Das neue Ergebnis: 442,50 Euro. Klingt moderat und bezahlbar.

Kameramann 200 Euro
Assistent 140 Euro
Honorarerhöhung seit 2011 0 Euro
Vermittlung / Handling 0 Euro
Künstlersozialkasse 0 Euro

Die Filme drehen sich nicht von allein. Wir beschäftigen also einen Kameramann und einen Assistenten. Die wollen neuerdings etwas mehr Geld und kämpfen um Honorarerhöhungen, die wir ihnen gerne gönnen würden. Rechnen wir trotzdem mit dem alleralleralleralleruntersten Niedrighonorar aus 2011: Kameramann: 200 Euro, Kameraassistent 140 Euro. Dabei sind noch keine üblichen Vermittlungssätze und Handlinggebühren. Achtung Falle: nicht die Künstlersozialkasse vergessen. Lassen wir diese Kleinigkeiten mal unter den Tisch fallen, erreichen wir einen EBTeam-Gesamtpreis abzüglich 50% Technik-Rabatt für gute Kunden von 782,50 Euro. Zu teuer für den MDR? Mit Sicherheit!

Fahrtkosten 0 Euro
Sonstiges 0 Euro

Irgendwie müssen wir auch zu den Drehs fahren. Am preiswertesten geht das mit einem Fahrrad, aber der MDR fordert einen Mittelklassewagen inklusive Klimaanlage und Mobiltelefon, damit der Redakteur nicht auf der Stange sitzen muss. Da das Auto nicht kalkuliert werden darf, es also keine pauschale Abrechnung gibt, bleiben uns nur die Kilometer. Sie werden mit etwa 0,45 Cent angesetzt. Die ersten 50 Kilometer sind frei. Viele Aufträge liegen nicht weit entfernt vom Abfahrtsort. Die Anfahrt ist also meistens ein weiteres Geschenk an den Sender. Weil wir alle unsere Angestellten gut und pünktlich bezahlen, bei der technischen Ausstattung nicht herumtricksen und auf Qualität setzen, haben unsere Mitglieder EB-Preise zwischen 700 und 780 Euro verhandelt. Ergebnis: Sie sind zu teuer und werden demnächst seltener oder gar nicht mehr gebucht.

Den Preisdumpern geht es prächtig. Sie können ihre zahlreich gebuchten Billigteams nicht mehr refinanzieren und gehen in absehbarer Zeit pleite. Zusammen mit uns.