Leuchtturm mit Wasserschaden

Saaleflut zerstört wichtige Teile des Mitteldeutschen Multimediazentrums in Halle. Zukunft des Gründerzentrums in Gefahr

Seinen bisherigen Arbeitsplatz erreicht Hans-Joachim Gerber nur noch mit Atemschutzmaske. Nach dem Wasser hat sich der Schimmel im Mitteldeutschen Multimediazentrum (MMZ) in Halle breitgemacht. 700 m2 moderne Studiolandschaft schimmeln vor sich hin, darunter das einzige Studio für Kinomischungen in Mitteldeutschland, Wert: fast zwei Millionen Euro. »Die Technik schwimmt in Schlamm und Diesel«, sagt Gerber frustriert, »ein Bild des Grauens.«

Der Geschäftsführer der Firma Metrix Media hat seine Leute und Studios auf Notquartiere im ganzen Stadtgebiet verteilt. Nicht optimal für den Workflow, aber im Moment die einzige Lösung. Metrix vertont Kino- und Fernsehfilme wie »Rubinrot« oder »Polizeiruf 110«. Ob und wann die Firma zurück ins MMZ kann, ist völlig offen. Selbst ein Aus für das Multimediazentrum ist denkbar. Denn der Schaden durch die Flut ist gigantisch.

Das futuristische Gebäude am Saaleufer hat sich in ein Geisterhaus verwandelt. 12 Firmen sind direkt Opfer des Wassers geworden. Die anderen in den oberen Etagen indirekt: Selbst Wochen nach der Flut ist das MMZ noch immer ohne Strom, Telefon und Internet. Die Fluten haben große Teile der Haustechnik zerstört. Das MMZ komplett wieder aufzubauen, wird mindestens 15 Millionen Euro kosten, schätzt Pressesprecher Christoph Bernstiel. Geld, das die Stadt Halle als Betreiber allein kaum aufbringen kann. Bernstiel: »Ohne Zuschüsse steht die Stadt vor der Entscheidung: Können wir uns das leisten. Die Antwort wird dann lauten: Nein, können wir nicht.«

Ein bitterer Einschnitt. Denn nach verhaltenem Start 2007 war das MMZ zuletzt zu einem Leuchtturm der mitteldeutschen Kreativindustrie aufgewachsen. Gefördert von der Stadt Halle waren hier 600 Mitarbeiter in 60 Firmen mit Filmproduktionen, Grafik-, Design- und Internetangeboten beschäftigt. Die Branche hat das MMZ angenommen, volle Auftragsbücher waren das Ergebnis. Doch das Netzwerk aus Dienstleistern und Kreativen ist in Gefahr.

Zwar hatte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rößler bei einem Besuch wenige Tage nach der Flut Hilfe versprochen. Doch wann die kommt, bleibt unklar. Acht Milliarden Euro Aufbauhilfe will die Bundesregierung an die betroffenen Bundesländer auszahlen. Aus diesen Mitteln könnte auch das Multimediazentrum gerettet werden. Doch feste Zusagen macht die Landesregierung nicht, weil die rechtlichen Voraussetzungen noch nicht feststehen. »Das MMZ ist für die hohe Attraktivität des Standorts Halle entscheidend«, sagt der Medienreferent der Staatskanzlei, Claus-Peter Bossmann, »deshalb müssen alle Optionen für eine möglichst rasche und uneingeschränke Wiederinbetriebnahme geprüft werden.«

Die sieht Metrix-Chef Hans-Joachim Gerber inzwischen pessimistisch. Er erwartet mehr Engagement der Stadt für das MMZ: »Am Ende heisst es, wir machen ein Fitnesscenter draus.« Eine Entscheidung, ob Metrix zurück ins MMZ geht, will er auch von weiteren Hochwasserschutzmaßnahmen abhängig machen. »Sonst gehen wir zurück, bauen alles neu auf und in zwei Jahren steht wieder alles im Wasser.«