Mit Marco Polo um die Welt

Zum ersten Mal seit vielen Jahren hat der MDR eine große Animationsserie bestellt und damit eine große internationale Koproduktion ermöglicht. Sind „Die Abenteuer des jungen Marco Polo“ der Anfang eines Trickfilm-Booms in Mitteldeutschland?

Jahrhundertelang galt er als Lügner. Inzwischen ist Marco Polo rehabilitiert: Was der Junge aus Venedig ab 1271 von seinen Reisen nach Asien berichtete, gilt als authentisch. Seine Abenteuer haben immer wieder Filmemacher inspiriert. Diesmal den Produzenten und Chef der MotionWorks in Halle, Tony Loeser, zu einer Animationsfilm-Reihe.

Vor drei Jahren trug Loeser die Idee zu einer Serie beim MDR vor. Der Sender MDR – im Bereich Animation bisher mit wenig Ruhm bekleckert – fand Gefallen am Projekt und spendierte zusammen mit der ARD 34 Prozent des Budgets von fünf Millionen Euro. Jetzt kommen die neuen „Abenteuer des jungen Marco Polo“ auf den Bildschirm, ab 1. Dezember täglich um 19:00 im Kinderkanal von ARD und ZDF.

Der Marco Polo in der Serie ist noch jünger als der echte, nämlich 12. Mit seinem Freund Luigi und seiner Freundin Shi La Won reist er in 26 Folgen zu je 25 Minuten durch Europa, dem arabischen Raum bis nach Asien. Die 2D-Produktion mit 3D-Elementen ist stark grafisch gestaltet. Die Hintergründe haben aufwändige Strukturen und damit einen zeitgemäßen Look. Einen „Nervenkitzel voller Comedy und Action“ verspricht der Pressetext.

Nervenkitzel gab es schon vor und während der Produktion. Die restlichen 66 % des Budgets suchte MotionWorks-Chef Tony Loeser auf dem halben Planeten zusammen. Geldgeber und Partner aus Kanada, Luxemburg und Irland beteiligten sich. Fördermittel stammen von der MDM, MEDIA, Shaw Rocket Fund, Irish Film Board, Film Fund Luxembourg, Ontario Media Development und Telefilm Canada . Die Serie läuft schon jetzt im kanadischen Fernsehen und beim irischen RTE.

Auch in den kreativen Prozess waren die ausländischen Partner eng eingebunden. Die Scripte wurden von kanadischen Autoren geschrieben, überwacht von einem Script Supervisor in Deutschland. Neben den deutschen Kreativen arbeiteten Kreative in Irland, Ungarn, Korea, Indien und Luxemburg mit an der Realisation. Insgesamt waren 350 Leute mit dem Projekt beschäftigt, darunter 70 in Halle. Von hier aus wurde das gesamte Projekt gesteuert.

Bei ersten Testvorführungen reagierte das junge Publikum begeistert auf die Folgen. Auch die MDR-Führungsspitze war überzeugt von dem Produkt. Großes Interesse verzeichente MotionWorks-Chef Tony Loeser zur MIPCOM in Cannes. Um die Serie ins Internet und auf mobile Endgeräte zu verlängern, entwickelt MotionWorks ein Game und eine App. Ein Comic und ein Kochbuch werden folgen – zunächst für den deutschen Markt, aber auch mit der Option auf internationale Vermarktung.