Nicht auf Sand gebaut

Balance Film Dresden feiert 20-jähriges Firmenjubiläum. Innovation und Kreativität als Geschäftsprinzip

Was geschieht im Sandkasten, wenn die Kinder abends nach Hause gegangen sind? Für die Zuschauer des »Sandmännchens« gibt es darauf seit 2009 eine Antwort: Die Sandmanzen wachen auf. Tagsüber schlafen Agathe und Schorsch, nachts aber erleben sie eine Menge Abenteuer. Andreas Strozyk, Doris Riedl und Ralf Kukula von der Dresdner Produktionsfirma Balance Film haben die Sandmanzen entwickelt und so wurden inzwischen 26 Folgen produziert. Dies mit einer uralten Technik, nur neu interpretiert und serienreif weiterentwickelt – der Sandanimation. Irgendwie passend für Figuren, die selbst ganz aus Sand sind und am liebsten Sandkuchen essen.

Animationsfilme werden in Dresden seit Jahrzehnten hergestellt. Als das DEFA-Studio für Trickfilme 1992 abgewickelt wurde, gründeten die Mitarbeiter Ralf Kukula und Thomas Claus die Balance Film, zunächst mit dem Schwerpunkt Dokumentarfilm. In den 90ern entstanden Reportagen und Dokumentationen, aber auch tagesaktuelle Filmbeiträge für den MDR. Es folgten diverse Abstecher in den fiktionalen Bereich, darunter im Jahr 2000 »Heinrich der Säger«, ein Kinofilm in Koproduktion mit Arte und ZDF mit Rolf und Meret Becker in den Hauptrollen.

Als Grit Wißkirchen 2001 in die Geschäftsleitung eintrat, verschob sich der Schwerpunkt wieder stärker in Richtung Animationsfilm. Dort haben beide Geschäftsführer, Ralf Kukula und Grit Wißkirchen, ihre Wurzeln. Mit Erfolg, auch auf internationalen Festivals: Die tschechisch-deutschslowakische Koproduktion »Alois Nebel« gewann den Europäischen Filmpreis 2012 in der Kategorie Animated Feature Film. Balance Film ist mit seiner in Dresden realisierten Animation Teil dieses außergewöhnlichen Projektes. Der Film basiert auf der gleichnamigen tschechischen Grafiknovel von Jaroslav Rudis und Jaromir 99. Er wurde komplett real gedreht und dann rotoskopiert. Das heißt, die realen Filmsequenzen wurden Bild für Bild nachanimiert.

Immer etwas Neues probieren, innovativ bleiben und den Nachwuchs fördern – das ist den Balance-FilmMachern wichtig. Ralf Kukula als künstlerischer Kopf ist stets auf der Suche nach neuen Gestaltungsformen und grafischen Handschriften. So geschehen mit dem schwarzhumorigen Kinderkurzfilm »Die schöne AnnaLena«, gefördert durch die Hessische Rundfunkfilmförderung, das BKM und die MDM. Dieser Kurzfilm wurde im Mai dieses Jahres mit dem FriedrichWilhelm-Murnau-Kurzfilmpreis ausgezeichnet.

Derzeit entsteht in Dresden der 30- minütige Animationsteil für »Die Hälfte der Stadt«(AT), ein AnimadokFilm, in dem der Regisseur Pawel Siczek das Leben des jüdischen Fotographen Chaim Berman porträtiert. Dieser hielt in den 1930er Jahren das Leben in der polnischen Stadt Kozienice mit der Kamera fest. Diese Koproduktion mit Leykauf Film München und Follow Me Film Warschau wird von der MDM mit 125.000 Euro unterstützt. Außerdem sind die abendfüllenden Filme »Fritz war dabei« (Animation) und »My Favorite War« (Animadok) in Entwicklung.

Ein einzigartiges Projekt im Dokumentarfilmbereich ist dagegen noch lange nicht abgeschlossen: die Dokumentation zum Wiederaufbau des Dresdner Residenzschlosses. Sie begann im Jahr 1986 und wird im Auftrag des Freistaates Sachsen weiterhin andauern – als Deutschlands umfangreichste Baudokumentation.

Auch die »Sandmanzen« sind weiterhin in Bewegung. Die Entwicklung der dritten Staffel ist im vollen Gange. Jetzt muss die Serie nur noch den Weg zu den Sandmännchen-Zuschauern schaffen.


 

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