„Herz für den Trickfilm“

MDR-Fernsehdirektor Wolf-Dieter Jacobi über die Trickfilmproduktion „Marco Polo“.

Herr Jacobi, „Marco Polo“ ist die erste große Animations-Produktion des MDR seit langem. Haben Sie Ihr Herz für den Trickfilm entdeckt?
Mein Herz schlägt seit der Kindheit für den Trickfilm, Serien wie „Der kleine Maulwurf“ oder „Arthur der Engel“ habe ich sehr gern gesehen. „Marco Polo“ ist aber auch mitnichten die erste große Animationsproduktion des MDR seit langem. Der MDR hat über die Jahre hinweg mit „Der Wunschpunsch“ und vor allem mit den zahlreichen Trickproduktionen für den Sandmann wie „Kalli“, „Piratengeschichten“, „Wiesendetektive“, „Sandmanzen“ und aktuell „Raketenflieger Timmi“ kontinuierlich seine Animationskompetenz unter Beweis stellen können, ergo auch sein Herz für den Trickfilm nicht erst jetzt entdeckt. Und dieses Herz schlägt besonders stark für Trickfilmproduktionen, die, wie auch im Falle „Marco Polo“, in Deutschland, im Sendegebiet des MDR entwickelt werden und entstehen.

Warum haben Sie sich gerade für diesen Stoff entschieden?
Der Name „Marco Polo“ steht für alles, wofür wir mit diesem Programm unsere jungen Zuschauer begeistern wollen: Neugier, Offenheit für andere Kulturen, Wissensdrang, Freude am Abenteuer und dem Erforschen des Unbekannten. Außerdem hat uns und auch unsere Kollegen von der ARD, für die der MDR als Federführer die Serie betreut hat, das künstlerische Konzept des Projektes von Anfang an überzeugt. Es hat uns hoffen lassen, dass damit im Animationsmarkt etwas wirklich Originelles entstehen kann, was auch auf einem Prime-Time-Platz im KiKA die Zuschauer für sich einnehmen wird.

Was gefällt Ihnen als Erwachsenem an dieser Produktion am meisten?
Auch und gerade als Vater gefallen mir zuerst die tollen Figuren, der zielstrebige Marco, der keine Mühe scheut, seinen Vater zu finden, die mutige Shi La und der verlässliche Luigi. Wer wünschte sich nicht solche Freunde! Unübersehbar und deshalb auch nicht minder eindrucksvoll ist das bezaubernde Design der Serie, deren dezente Ornamentik in der farbenprächtigen Hintergrundgestaltung mich begeistert, weil sie eine ganz besondere, exotische Atmosphäre schafft.

Die Serie ist eine große internationale Koproduktion. Wie stark kann man als Sender da inhaltlich eingreifen und wie stark wollten sie eingreifen?
Die Serie ist von Anfang an und mit großem Einvernehmen, sowohl inhaltlich als auch zu den Designfragen, im engen Dialog zwischen dem MDR und dem Produzenten gemeinsam entwickelt worden. Die Redaktion Kinder/Soziales beim MDR-Fernsehen hat sich immer verpflichtet gefühlt, das Potential dieses Stoffes, das ich oben beschrieben habe, in einer spannenden, unterhaltsamen und mit leichter Hand auch edukativen Form zu entfalten. Deshalb hat die Redaktion auch jede einzelne Entwicklungsetappe umfassend begleitet und so das Design, die Bücher, das Storyboard und die Animation, die Komposition und die Sprachaufnahmen maßgeblich geprägt. Bei Differenzen, wie sie in internationalen Koproduktionen nicht ausbleiben, wurden Kompromisse gefunden, mit denen wir unsere Ansprüche trotzdem erhalten konnten.

Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von Motionworks?
So gut, dass wir gerne die Serie mit einer zweiten Staffel fortsetzen würden. Der MDR schätzt nicht erst seit „Marco Polo“ die kreativen Ideen und die zuverlässige Produktionsweise von Motionworks. Ein Produzent, der künstlerisch immer wieder Neues ausprobiert und mit dem wir sehr gut zusammen arbeiten. Wir freuen uns über so einen regionalen Produzenten, der für „Marco Polo“ nicht nur inhaltlich sondern auch bei der Produktion und Finanzierung der Serie auf eine Weltreise gegangen ist, um sie zu ermöglichen.