Chaos bei MDR-Dienstleistungen in Thüringen

Nach dem Streik beim MDR in Leipzig kämpfen auch in Thüringen freie Mitarbeiter um bessere Konditionen

Nach einer Stunde gibt die Disponentin einer Erfurter Fernseh-Produktionsfirma auf: Für den geplanten Dreh finden sich weder ein Kameramann noch ein Tonassistent. Sie sagt die Team-Anfrage des MDR-Landesfunkhauses endgültig ab. So wie ihr ergeht es seit Montag allen Produktionsfirmen im Land: Eine Arbeitsverweigerungswelle der freien Mitarbeiter lähmt den Fernsehbetrieb in Thüringen deutlich.

Im Netz haben sich über 40 Freiberufler zusammengeschlossen. Per Whatsapp koordinieren sie ihren Arbeitskampf. „Wir sind dann mal weg“, nennen sie ihre Gruppe scherzhaft. Es sei ein erster Test, eine Fernsehrevolte mit der Power des Internets. Später könne sie sich auf ganz Mitteldeutschland ausbreiten, nicht jetzt aber vielleicht irgendwann mal – berichten sie fast euphorisch. Es gebe auch Skeptiker in der Gruppe, doch der Zusammenhalt sei enorm. Selbst von Redakteuren des Senders käme überwiegend positives Feedback.

Mit dieser spontanen Protestaktion wollen die Freien gegen die Honorar- und Auftragspolitik des MDR-Landesfunkhauses Thüringen protestieren. Auch die Dominanz der MDR-Tochter MCS sei extrem geworden, heisst es. Von einer fairen Auftragsvergabe könne keine Rede mehr sein. Im geschützen Raum des MDR mache die MCS fast, was sie wolle. Mit Preisdumping zwinge die Produktionstochter des MDR freie Mitarbeiter und Produktionsfirmen in die Knie.

Wie lange die Produktionsfirmen in Thüringen den Protest der Freien durchhalten, ist unklar. Seit Jahren kämpfen sie mit stetigen Auftragsrückgängen des MDR. Diese Situation könnte zu einer zusätzlichen Belastungsprobe werden. Jedoch zeigen sieben von acht Unternehmen Verständnis für die Lage und den Protest der Kameraleute und Assistenten. Sie sind nach einer Krisen-Telefonkonferenz einer geschlossenen Meinung: „Wir müssen das mal aushalten.“

Es werde von den Freien eine Forderungsliste herausgegeben, heißt es. Wir halten weiter auf dem Laufenden, auch auf unserer Facebook-Seite und per Twitter.

Update 23.9.2015: Die Forderungen der Freien in Thüringen und neue Infos zum Aufstand auf fairtv.net