Warum hat sich in den letzten Jahren die ökonomische und kreative Lage für die sich als künstlerisch innovativ verstehenden Produktionsfirmen in Deutschland so dramatisch verschlechtert? Auf diese Frage versuchte Martin Hagemann (Professor an der HFF Potsdam-Babelsberg, GF der Zero Fiction Film, Mitglied im Vorstand der AG DOK, im Beirat des DFFF und der Richtlinienkommission der FFA) in seiner Keynote während der diesjährigen Leipziger Dokfilm-Woche Antworten zu finden.

Film- und Medienpolitik findet heute maßgeblich in den Gremien der FFA, zwischen den Rundfunkräten, ein wenig in den Parteien und in letzter Zeit bei den Verhandlungen zwischen Produzentenverbänden und den öffentlichrechtlichen Sendern statt. Der Ton ist kooperativ, Konsens ist hier das oberste Prinzip. Und so hat die Ermüdung des politischen Diskurses im filmpolitischen Feld, die Aufgabe jeglicher inhaltlicher Diskussion in den Auseinandersetzungen mit unseren größten Auftraggebern, den öffentlichen Sendern und den Förderern, in den letzten 10 Jahren leider den Buchhaltern des deutschen Films das Feld überlassen.

Der scheinbare Konsens zwischen Filmemachern und Förderern, Verwertern und Sendern in der Film- und Medienpolitik hat uns Filmemacher, vor allem die Dokumentarfilmer, zu Kompromissen und damit zu einer Mittelmäßigkeit erzogen, die unseren Filmen und der Filmkultur geschadet hat. Es ist Zeit, diesen Konsens aufzukündigen. Denn es ist ein Konsens zwischen Künstlern und Buchhaltern. Ein Konsens, in dessen Folge es den Künstlern immer schlechter geht…

Unsere Branche lebt zum großen Teil von öffentlichem Geld. Die Förderquote des deutschen Kinofilms beträgt inzwischen fast 50%. Bei Dokumentarfilmen und innovativen fiktionalen Filmen liegt sie nahe der nach EU-Richtlinien erlaubten 80%. Und trotzdem zehren anachronistische Eigenmittelverpflichtungen die Kapitalbasis kleinerer und mittelgroßer Produktionsfirmen auf. Während Filmverleihfirmen und DVD-Vertriebe noch aus fast jedem Film ein positives Ergebnis herausschlagen, bleiben die auf der Strecke, die das gesamte Herstellungsrisiko und im Erfolgsfall die Herausbringungskosten tragen.

Der deutsche Dokumentarfilm und der Arthouse Kinofilm werden seit zehn Jahren durch das öffentlich-rechtliche Fernsehen marginalisiert. Deshalb sind heute weit mehr Produktionen auf Förderung angewiesen. Das Fernsehen, der frühere Hauptauftraggeber (mehr …)

Kolumne von Marion Walsmann, Chefin der Thüringer Staatskanzlei

Für Film- und Fernsehproduzenten ist Mitteldeutschland schon längst keine Terra Incognita mehr. Jedes Jahr werden in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen eine Vielzahl von Kinofi lmen gedreht und Fernsehsendungen produziert. Konnte man in den 1990er Jahren die hierzulande entstandene Jahresproduktion im TV- und Filmbereich fast an einer Hand abzählen, entstehen heute Medienproduktionen im zahlenmäßig zwei- bis dreistelligen Bereich vom Lokalfernsehbeitrag über Fernsehserien und TV-Events bis hin zum spektakulären Kinofilm. Ein wichtiger Grundstein für das Aufblühen der mitteldeutschen Medienproduktionslandschaft (mehr …)

Liebe Redaktion des MFFV Newsletters,

das in der letzten Ausgabe veröffentliche Gespräch mit Torsten Bönnhoff veranlasst mich zu einigen Klarstellungen in der Sache.

Die MDM ist froh darüber, einen Unternehmer wie Torsten Bönnhoff in der Region zu wissen. Die letzten von Monarda arts produzierten Filme, die von der MDM gefördert wurden, waren »Barockstar Georg Friedrich Händel« und »Michael Nyman in Progress«. Momentan entwickeln die Firmen Torsten Bönnhoffs mit Hilfe (mehr …)

Beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland war der MFFV gemeinsam mit der MDM mit zwei Panels vertreten. Unter dem Titel »Medien Macht Identität« und »Medien Macht Wirtschaft« diskutierten hochrangige Vertreter aus Politik und Medien über die Rahmenbedingungen der Branche.

Der deutsche Kinderfilm braucht eine Lobby, da sind sich die Teilnehmer der Panelrunde grundsätzlich einig. Immer mehr Produktionen in Kinderfilm und Kinderfernsehen kommen aus dem Ausland. »Erzeugt der Markt Vielfalt?« fragt Kinderkanal-Geschäftsführer Steffen Kottkamp auf dem Podium und gibt die Antwort selbst: Nein.

Zwar werden viele erfolgreiche Jugendbücher und Märchen verfilmt, doch darüber hinaus fehle die Vielfalt, konstatiert MDR-Intendantin Karola Wille. Sie verkündet die Initiative »Der besondere Kinderfilm«. Es geht dabei um eine breite Öffnung, um Genrevielfalt jenseits bekannter Romanvorlagen, um den engagierten Arthouse Film, so ist herauszuhören. Das will die MDR-Intendantin ab 2013 forciert mit Mittel- und Ressourceneinsatz anstreben.

Ein Weg, den Manfred Schmidt von der MDM ausdrücklich unterstützt. »Es geht ja nicht nur darum, was Kinder wollen. Es geht auch darum, was Kinder wollen könnten.« Wer sich in einer vielfältigen Welt (mehr …)

Kolumne von Rainer Robra, Chef der Staatskanzlei Sachsen-Anhalt

Wer sich in Deutschland als Politiker mit dem Thema Filmproduktion befasst, kommt an dem Eindruck nicht vorbei, dass es immer nur um das Eine geht: Geld! Genauer gesagt: Geld aus öffentlichen Kassen, das in Form von bedingt rückzahlbaren Förderdarlehen oder Rundfunkgebühren für die Filmproduktion zur Verfügung stehen soll. Einige Themen des »MFFV-Newsletter« oder die regelmäßigen Informationen der »Produzentenallianz« bestätigen eine solche These.

Jedoch: Geld ist bei der Filmproduktion weniger das Ziel der Arbeit des Produzenten als deren notwendige Bedingung, hat Günter Rohrbach kürzlich in »Blickpunkt Film« konstatiert. Mit der Produktion von Filmen sei hierzulande kein finanzieller Überschuss mehr zu erzielen. Das Geld sei zum Produktionsmittel geschrumpft. Es sei allgemein akzeptiert, dass die Produzenten (mehr …)

Der einstige Publikumsliebling Thomas Gottschalk versinkt bei der ARD im Quotenloch. Meist liegt die Sendung unter 5%. Die AG DOK hat ARD-Programmdirektor Volker Herres deshalb Beistand zugesagt und ein dokumentarisches Programm als Alternative angeboten.

Man lasse die ARD in der »Todeszone vor 20 Uhr« nicht allein, so der Vorsitzende der AG DOK, Thomas Frickel, in einem Offenen Brief. Herr Frickel, wie war denn die Reaktion auf Ihr Angebot?
Bis jetzt hat sich die ARD noch nicht gemeldet. Leider. Ansonsten gibt es viele positive Reaktionen, von Fernsehnutzern aber auch aus der Politik. Das sei die richtige Art, mit der Überheblichkeit der Sender umzugehen.

Ihr Format heisst »Mein spannendstes Erlebnis«. Das klingt nach einer Nachmittags-Doku bei RTL.
Wenn wir sagen, wir machen etwas Dokumentarisches, dann meinen wir das auch. Wir rauben den Protagonisten nicht die Identität und legen ihnen keine Worte in den Mund. Leider hat man in den Redaktionen offenbar kaum noch Vertrauen in diese Methode.

Aber ernsthafte Dokus sind Herrn Herres vielleicht zu schwer für diese Sendezeit…
Dokumentarisch zu arbeiten heisst ja nicht, dass das Ergebnis garantiert nicht vergnügungssteuerpflichtig ist. Wir wollen unerzählte Geschichten erzählen. Das hat früher (mehr …)

Kolumne von Dr. Johannes Beermann, Staatsminister und Chef der Sächsischen Staatskanzlei

Im vergangenen Jahr hat sich herausgestellt, dass über Jahre Chancen auf vermehrte Produktionen in Mitteldeutschland verspielt wurden. Denn jene Millionen, die im Kinderkanal KiKA dadurch veruntreut wurden, dass Scheinrechnungen ausgestellt wurden, sind natürlich potenziellen Produzenten verlorengegangen. Das ist nicht nur strafrechtlich relevant und moralisch verwerflich, sondern auch mehr als ärgerlich, besonders auch vor dem Hintergrund, dass der Mitteldeutsche Rundfunk mit seinen Produktionstöchtern seit Jahren aufgefordert wird, mehr Produktionen nach Mitteldeutschland zu geben. Ich hoffe, dass die noch ausstehende endgültige Aufklärung auch beim MDR ergibt, dass es sich um einen Einzelfall (mehr …)

MDM-Chef Manfred Schmidt antwortet auf unser Gerücht im letzten Newsletter.

Die MDM möchte künftig 80% aller Fördermittel ausschließlich an Mitteldeutsche Produzenten vergeben! Voraussetzung: mindestens zwei Briefkästen.

Im Prinzip ja, allerdings reichen die zwei Briefkästen als Voraussetzung nicht aus. Es sollten zwei Briefkästen mindestens aus Messing, besser aus Gold sein. Diese Briefkästen müssen 1x monatlich durch einen – möglichst unbezahlten – Praktikanten geleert werden, um die Weiterleitung der Post nach B… M… K (bitte Stadt nach Belieben einsetzen) sicher zu stellen. Ansonsten ist der Praktikant auch für Telefonumschaltungen zuständig. Darüber hinaus darf er nichts tun. Er ist ja schließlich unbezahlt. Diese Regelung wird den Medienstandort Mitteldeutschland langfristig und nachhaltig entwickeln. Einige kleine Nebenwirkungen werden Sie gewiss gern in Kauf nehmen. So wird sich das Fördervolumen (mehr …)

Gestern hatte ich einen Traum. Ich stand im Boxring. Neben mir brüllte dieser Mann mit dem amerikanischen Akzent meinen Namen. Und dann rieselte es 30 Millionen Euro auf mich herab.

Es war ein prima Gefühl. Leider konnte ich das Geld nicht einsammeln. Es ist schwer mit Boxhandschuhen Geldscheine aufzufangen. Und dann war ich wieder der Verlierer – die Milli- önchen regneten an mir vorbei und türmten sich im Boxring auf. Im Publikum saßen die Intendanten der Rundfunkanstalten. Sie klatschten sich ihre Hände wund. Zum Glück bin ich wieder wach geworden.

»Trotz erheblicher Bedenken« (laut NDR-Pressemitteilung) hat die ARD einen neuen Lizenzdeal mit den Boxställen ausgemacht. Statt 54 Millionen, wie zunächst geplant, wurden die Kosten auf 30 Millionen (mehr …)

Kolumne von Alexander Thies, Vorstandsvorsitzender der Produzentenallianz

Wir sind nicht Hollywood hier in Mitteldeutschland, aber wir sind auch nicht Cinecittà. Zum Glück. Während jenseits des großen Teichs eine mächtige Film- und Fernsehindustrie sowohl das Unterhaltungs- als auch das Sensationsbedürfnis der ganzen Welt befriedigt – zugegeben: gelegentlich machen sie auch ganz schöne Filme dort –, drohte vor den Toren Roms die Abwicklung. Das haben wir hier schon hinter uns, und ich weiß, dass Narben und Phantomschmerz viele hier noch quälen. (mehr …)