Interview mit Tony Loeser, Geschäftsführer der MotionWorks GmbH, Halle

Herr Loeser, für „Marco Polo“ haben Sie weltweit fünf Millionen Euro aufgetrieben. Wie viele Telefonate haben Sie dafür geführt?
Es ging. Wir sind seit 15 Jahren am Markt und haben ein sehr intensives Netzwerk aufgebaut. Für das Thema Marco Polo konnte ich unsere Partner schnell begeistern.

Wie geht man bei so einer internationalen Koproduktion mit den kulturellen Unterschieden um?
Das ist natürlich ein intensiver Prozess, den man als Produzent begleiten muss. In Kanada zum Beispiel wird mit anderen Erzählhaltungen gearbeitet. Verkürzt gesagt: Da geht es mehr um Gags. Bei uns in Deutschland dagegen achten wir mehr auf Inhalte und die dramatische Struktur. (mehr …)

Jürgen Kleinig ist Geschäftsführer der Alte Celluloid Fabrik GbR in Leipzig

Herr Kleinig, Sie und Ihre Co-Geschäftsführerin kommen beide aus Baden-Württemberg. Warum haben Sie Ihr Unternehmen ausgerechnet in der Medienprovinz Leipzig aufgemacht?
Die vermeintliche Medienprovinz hat viele Vorteile für uns. Es herrscht eine persönliche Atmosphäre, der Draht zu Förderung und Redaktion ist kurz. Das Verhältnis zu Kollegen und anderen Firmen ist kollegial. Man kennt sich. Hier herrscht nicht so ein Hauen und Stechen wie in Berlin. Aber es gibt natürlich auch Nachteile. (mehr …)

Die Quereinsteiger Tina Leeb und Jürgen Kleinig betreiben in Leipzig eine ambitionierte Dokfilm-Schmiede – die Alte Celluloid Fabrik. Im Fokus haben sie große Menschheitsthemen.

Bei »10 000 000 000« ist nicht nur die Zahl im Titel groß. Der Rest auch. Budget: ca. 700.000 Euro. Drehs in 15 Ländern rund um den Globus, darunter Indien, Korea, England, El Salvador. Und nicht zuletzt das Thema ist riesig: Wie sollen die zukünftig 10 Milliarden Bewohner der Erde eigentlich ernährt werden, wenn schon jetzt so viele Menschen hungern?

Jürgen Kleinig und Tina Leeb als Geschäftsführer der Alten Celluloid Fabrik Leipzig haben das Projekt mit der Unterstützung der MDM entwickelt. Ab Sommer soll es umgesetzt werden, fürs Kino und Fernsehen. »Wir spüren, wie unsicher die Leute beim Thema Ernährung sind«, sagt Kleinig, »deshalb ist das ein gutes Thema für uns.« Der Film ist inzwischen das wichtigste Großprojekt der Firma.

Filme, die Haltung zeigen, Fragen stellen und (mehr …)

Ideen fürs Budget klein zu schrumpfen, ist nicht der Stil von Golli Marboe. Der Geschäftsführer von makido film passt lieber das Budget den Ideen an. Dafür bringt er sehr unterschiedliche Geldgeber zusammen.

Ab 3. September wird getanzt beim Kinderkanal, jeden Tag. »Ballclique« heißt die Daily Doku, in der sich sechs Jugendliche aus Wien auf die glamourösen Bälle der Stadt vorbereiten. 20 Folgen à 25 Minuten hat makido film für den KiKA produziert. Der erste Großauftrag der Firma. makido film wurde erst im Herbst 2011 gegründet.

Der Gag an der »Ballclique«: Weil die Serie in Wien spielt, konnte Produzent Golli Marboe den Fernsehfonds Austria und den ORF für das Projekt gewinnen. Der KiKA bekam die Filme so zum Schnäppchenpreis. Trotzdem ist in der Serie nichts inszeniert. Begleitende Dokus sind wegen der vielen Drehtage sonst zu aufwändig und teuer.

makido film hat Büros in Wien und Weimar. Hintergrund: Deutschland und Österreich (mehr …)

Daniela Katzenberger holt in ihrer eigenen Dokusoap Rekordquoten. Ihre Fans kaufen sogar Klodeckel mit dem Antlitz der 25jährigen. Für den Leipziger Produzenten Bernd Schumacher und seine 99pro media GmbH ist die »Katze« ein gigantischer Erfolg.

Andere Filmemacher machen Filme. Bernd Schumacher kreiert Marken. Menschen-Marken. Daniela Katzenberger ist seine größte und strahlendste. Vor vier Jahren entdeckte er die Blondine mit den tätowierten Augenbrauen in einer seiner eigenen Produktionen, der Auswanderer-Doku »Auf und davon«. Dann ging der Hype los. Die »Katze« machte kesse Sprüche und klimperte mit den Augenwimpern, der »Miezenmacher« (»Bild«) ließ die Kamera draufhalten und zog im Hintergrund die Strippen.

Beide haben inzwischen gut Geld verdient. Ein Café auf Mallorca, eine Schuhkollektion, eine Autobiographie (wochenlang ganz vorn in den Bestsellerlisten) und eine Flut von Merchandising-Produkten sind die Säulen des Katzenberger-Imperiums. Angetrieben wird die geschickte Vermarktung der Kosmetikerin mit der quotenstarken Dokusoap »Daniela Katzenberger – natürlich blond«, die Schumachers Firma (mehr …)

Torsten Bönnhoff ist Geschäftsführer von Digim und Monarda Arts. Er produziert Dokumentarfilme und Konzertaufzeichnungen für 3sat und arte. Mit Monarda Publishing House verwertet er weltweit DVD-Rechte.

Herr Bönnhoff, in Halle blicken die Leute ehrfurchtsvoll nach Leipzig und in Leipzig wissen sie nicht mal, dass es Halle überhaupt gibt. Warum sitzen Sie trotzdem in Halle?
Wir haben hier ein tolles Gebäude, zwei Studios und unser großes Archiv. Wir fühlen uns wohl hier. Den Vergleich mit Leipzig müssen wir nicht scheuen. Das einzige Problem ist, dass wir etwas im Windschatten sitzen und manchmal schlechter wahrgenommen werden.

Wie zeigt sich das?
Wir sind seit Jahren im Geschäft. Wir machen Millionenumsätze mit 3sat, Discovery, dem SWR oder National Geographic. Aber vom MDR kommt fast gar nichts. Ich habe das Gefühl, die trauen uns das nicht zu. Und bei der MDM fallen wir immer durchs Raster.

Sie sind kein großer Fan von Subventionen in Ihrer Branche. Warum nicht?
Dauersubventionen fördern immer mafiöse Strukturen. Was glauben Sie denn, warum sich der deutsche Film im Kino so schwer tut? Und dann die Mauscheleien. Ich kenne Firmen (mehr …)